Diese Entwicklung ist nicht nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Sie spiegelt einen tiefgreifenden Wandel in der Art und Weise wider, wie Anleger ihre Portfolios zusammenstellen und nach Quellen für langfristige Wertschöpfung suchen.
Gleichzeitig blieben die Aktienmärkte eine der tragenden Säulen der globalen Kapitalanlage. Sie sind liquide, transparent und leicht zugänglich und ermöglichen es, in Tausende von börsennotierten Unternehmen weltweit zu investieren.
Lässt sich daraus schließen, dass Private Equity eine bessere Anlageklasse ist als börsennotierte Aktien? Die Antwort ist differenzierter.
Die von Cambridge Associates, France Invest oder MSCI veröffentlichten historischen Daten zeigen, dass bestimmte Private-Equity-Strategien in der Vergangenheit über lange Zeiträume hinweg annualisierte Renditen erzielt haben, die über denen mehrerer großer Aktienindizes lagen. Doch diese Ergebnisse erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Der Vergleich von Private Equity mit börsennotierten Aktien beschränkt sich nicht nur auf den Vergleich zweier Renditen. Es handelt sich vielmehr um einen Vergleich zweier Anlageuniversen, die sich hinsichtlich ihres Haltedauers, ihrer Liquidität, ihrer Bewertungsmethoden, ihrer Unternehmensführung und ihrer Mechanismen zur Wertschöpfung unterscheiden.
In diesem Artikel soll untersucht werden, was zwanzig Jahre historischer Daten tatsächlich aussagen, welche Gründe für die beobachteten Unterschiede vorliegen und welche methodischen Einschränkungen vor jedem Vergleich zu berücksichtigen sind.
Warum betrachten institutionelle Anleger Private Equity und börsennotierte Aktien nicht mehr als Gegensätze?
Wenn ein Privatanleger zum ersten Mal mit Private Equity in Berührung kommt, stellt er oft eine einfache Frage: „Bringt Private Equity mehr Rendite als die Börse?“
Diese Frage ist verständlich. Sie spiegelt jedoch nicht die Denkweise institutioneller Anleger wider.
Für einen Pensionsfonds, eine Universitätsstiftung oder eine Versicherungsgesellschaft geht es nicht darum, sich zwischen börsennotierten und privaten Märkten zu entscheiden. Vielmehr geht es darum, ein Portfolio aufzubauen, das mehrere Ziele gleichzeitig erfüllt: Rendite zu erzielen, Risiken zu kontrollieren, die Quellen der Wertschöpfung zu diversifizieren und sehr langfristige Verpflichtungen zu finanzieren.
Mit anderen Worten: Private Equity wird in der Regel nicht als Ersatz für börsennotierte Aktien angesehen, sondern als ergänzender Bestandteil einer diversifizierten Vermögensallokation.
Diese Logik erklärt, warum die weltweit größten Investoren weiterhin massiv in beide Bereiche investieren.
Zwei verschiedene Möglichkeiten, in das Wachstum von Unternehmen zu investieren
Auf den ersten Blick verfolgen börsennotierte Aktien und Private Equity ein gemeinsames Ziel: die Finanzierung der Unternehmensentwicklung.
In beiden Fällen hofft der Anleger, vom Wirtschaftswachstum, von der verbesserten Rentabilität der Unternehmen und von der im Laufe der Zeit erzielten Wertsteigerung zu profitieren.
Der Unterschied liegt darin, wie diese Wertschöpfung erfasst wird.
An den börsennotierten Märkten erwirbt der Anleger Aktien, deren Kurs sich täglich entsprechend den Erwartungen der Finanzmärkte entwickelt.
Im Bereich Private Equity beteiligt sich der Investor indirekt an der Finanzierungnicht börsennotierter Unternehmen, die in der Regel über mehrere Jahre hinweg von einer Verwaltungsgesellschaft begleitet werden, die aktiv an ihrer Entwicklung mitwirkt.
Dieser grundlegende Unterschied erklärt, warum die Wertentwicklung der beiden Anlageklassen nicht allein unter dem Gesichtspunkt der Rendite analysiert werden kann.
Zwei Anlagephilosophien
Börsennotierte Märkte bieten ein hohes Maß an Flexibilität. Anleger können ihre Positionen täglich entsprechend ihren Erwartungen oder den Marktbedingungen anpassen.
Private Equity basiert auf einem ganz anderen Ansatz. Das Kapital wird über mehrere Jahre gebunden, um den Unternehmen Zeit zu geben, ihre Entwicklungsstrategie umzusetzen.
Diese Liquiditätsbeschränkung stellt für manche Anleger oft eine Herausforderung dar. Für andere hingegen, insbesondere für institutionelle Anleger mit sehr langfristigen Verpflichtungen, ist sie im Gegenteil ein Merkmal, das mit ihrem Anlagehorizont vereinbar ist.

Was lassen zwanzig Jahre historischer Daten tatsächlich erkennen?
Vergleiche zwischen Private-Equity-Anlagen und börsennotierten Aktien sind regelmäßig Gegenstand von Studien, die von Organisationen wie Cambridge Associates, MSCI Private Capital oder France Invest veröffentlicht werden.
Diese Beobachtung ist umfassend dokumentiert. Sie muss jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.
Was die Studien von Cambridge Associates zeigen
Die Studien von Cambridge Associates gehören zu den von institutionellen Anlegern am häufigsten herangezogenen Referenzen.
Ihr „US Private Equity Index & Benchmark Statistics“ vergleicht seit mehreren Jahrzehnten die Wertentwicklung amerikanischer Private-Equity-Fonds mit der der wichtigsten Aktienindizes.
Historische Wertentwicklung des US-amerikanischen Private-Equity-Marktes im Vergleich zu den börsennotierten Märkten (Cambridge Associates)

Die verschiedenen Ausgaben dieser Studie belegen regelmäßig eine historische Outperformance von Buyout-Strategien über Zeiträume von zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren, je nach den betrachteten Zeiträumen und den gewählten Methodiken.
Diese historische Outperformance erklärt zum Teil, warum private Märkte mittlerweile einen wichtigen Platz in den institutionellen Vermögensallokationen einnehmen.
Diese Ergebnisse dürfen jedoch nicht als Garantie für die zukünftige Wertentwicklung ausgelegt werden. Sie spiegeln historische Daten wider, die insbesondere von den untersuchten Jahrgängen, den gewählten Strategien und den beobachteten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen.
Warum Zahlen nicht alles aussagen
Zwei annualisierte Renditen miteinander zu vergleichen, ist relativ einfach.
Der Vergleich zweier Anlageklassen ist wesentlich komplexer.
Börsennotierte Unternehmen werden vom Markt kontinuierlich bewertet. Ihr Kurs spiegelt unmittelbar die Erwartungen der Anleger wider.
Im Bereich Private Equity basieren die Bewertungen auf spezifischen Methoden, die in regelmäßigen Abständen gemäß internationalen Standards wie den IPEV-Leitlinien durchgeführt werden.
Zudem akzeptieren Private-Equity-Anleger in der Regel einen längeren Anlagehorizont und eine geringere Liquidität als an den börsennotierten Märkten.
Mit anderen Worten: Ein aussagekräftiger Vergleich darf sich nicht auf eine einzige Spalte mit der Überschrift „Performance“ beschränken. Er muss alle für jedes Anlageuniversum spezifischen Merkmale berücksichtigen.
Private Equity und börsennotierte Aktien: Ein Vergleich, der über die Rendite hinausgeht
Bevor wir uns mit den möglichen Gründen für die historische Wertentwicklung von Private Equity befassen, sollte man sich vor Augen führen, dass diese beiden Anlageklassen unterschiedlichen Logiken folgen.
Dieser Vergleich verdeutlicht eine wesentliche Tatsache: Die Rendite ist nur eine von vielen Dimensionen bei der Bewertung einer Anlageklasse.
Für institutionelle Anleger sind die Art und Weise, wie diese Wertentwicklung erzielt wird, das akzeptierte Risikoniveau und die Rolle, die sie bei der Gesamtzusammensetzung des Portfolios spielen, ebenso wichtig.
Warum hat Private Equity in der Vergangenheit mehr Wert geschaffen?
Es reicht nicht aus, darauf hinzuweisen, dass Private Equity in einigen historischen Studien eine über den börsennotierten Märkten liegende Wertentwicklung verzeichnet hat. Die eigentliche Frage lautet: Warum?
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung lässt sich dieser Unterschied nicht allein damit erklären, dass die Unternehmen nicht an der Börse notiert sind. Er resultiert aus einer Reihe von Mechanismen, die die Funktionsweise von Private Equity an sich kennzeichnen.
Untersuchungen von Bain & Company, McKinsey und Cambridge Associates zeigen, dass die Wertschöpfung im Private-Equity-Bereich in der Regel auf mehreren sich ergänzenden Faktoren beruht: der operativen Begleitung der Unternehmen, einer aktiven Unternehmensführung, einem längeren Anlagehorizont und einer besonders strengen Umsetzungsdisziplin.
Die Wertschöpfung beginnt schon lange vor dem Verkauf des Unternehmens
Einer der Hauptunterschiede zwischen einem börsennotierten Investor und einem Private-Equity-Fonds liegt im Grad der Beteiligung.
An den Finanzmärkten erwirbt ein Aktionär eine Beteiligung an einem bereits börsennotierten Unternehmen. Selbst wenn er vom Potenzial dieses Unternehmens überzeugt ist, bleibt sein Einfluss auf strategische Entscheidungen in der Regel begrenzt.
Im Bereich Private Equity sieht die Logik anders aus.
Managementgesellschaften arbeiten über mehrere Jahre hinweg eng mit der Unternehmensleitung zusammen, um die Entwicklung des Unternehmens voranzutreiben. Sie sind häufig an wichtigen strategischen Entscheidungen beteiligt: Internationalisierung, Übernahmen, Einstellung von Schlüsselkräften, Digitalisierung, finanzielle Strukturierung oder Verbesserung der betrieblichen Abläufe.
Mit anderen Worten: Die Wertschöpfung hängt nicht allein von der Marktentwicklung ab. Sie resultiert auch aus den Veränderungen, die innerhalb des Unternehmens umgesetzt werden.
Laut Bain & Company ist das Wachstum des operativen Ergebnisses historisch gesehen einer der wichtigsten Treiber für die Wertschöpfung bei Buyout-Transaktionen und liegt damit noch vor den Effekten, die sich aus der Entwicklung der Bewertungskennzahlen ergeben.

Private Märkte bieten Zugang zu einem Teil des Wachstums, das an der Börse nicht mehr erreichbar ist
Die Weltwirtschaft hat sich in den letzten zwanzig Jahren grundlegend verändert.
In den 1990er Jahren gingen Unternehmen relativ früh an die Börse. Ein Großteil ihres Wachstums stand somit börsennotierten Anlegern offen.
Heute sieht die Lage anders aus.
Viele Unternehmen bleiben deutlich länger in Privatbesitz. Sie beschaffen sich Kapital über Venture-Capital-, Growth-Equity- oder Buyout-Fonds, bevor sie – in manchen Fällen – einen Börsengang in Betracht ziehen.
Unternehmen wie Stripe, Databricks oder Canva haben Bewertungen in Höhe von mehreren Dutzend Milliarden Dollar erreicht, obwohl sie noch nicht an der Börse notiert waren.
Diese Entwicklung hat eine wichtige Konsequenz: Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung findet nun bereits vor dem Börsengang statt.
Private Equity ermöglicht genau den Zugang zu dieser Entwicklungsphase, die für Investoren, die ausschließlich an den börsennotierten Märkten tätig sind, weitgehend unzugänglich bleibt.
Eine aktivere Unternehmensführung
Unternehmen, die von Private-Equity-Fonds unterstützt werden, zeichnen sich oft durch eine andere Unternehmensführung aus als börsennotierte Unternehmen.
Die Verwaltungsräte sind in der Regel kleiner, und der Austausch zwischen der Unternehmensleitung und den Investoren findet häufiger statt.
Diese Nähe erleichtert die Entscheidungsfindung und ermöglicht eine schnellere Umsetzung bestimmter strategischer Veränderungen.
Damit soll nicht gesagt werden, dass diese Art der Steuerung grundsätzlich überlegen ist. Sie folgt lediglich einer anderen Logik, die stärker auf die operative Umsetzung über mehrere Jahre hinweg ausgerichtet ist.
Die Disziplin der Langzeitforschung
Eines der Paradoxe von Private Equity besteht darin, dass sein größter Nachteil – die Illiquidität – zugleich auch eine seiner Stärken ist.
Ein Fonds ist nicht dazu bestimmt, sein Portfolio täglich umzuschichten.
Die Investitionen werden im Rahmen einer mehrjährigen Strategie getätigt, wodurch den Unternehmen die nötige Zeit bleibt, ihren Entwicklungsplan umzusetzen.
Dieser Ansatz mindert naturgemäß den Einfluss der täglichen Schwankungen an den Finanzmärkten auf strategische Entscheidungen.
Außerdem ermöglicht sie es, die Anstrengungen auf die Schaffung des grundlegenden Unternehmenswerts zu konzentrieren, anstatt auf die Schwankungen des Aktienkurses.
Warum bauen institutionelle Anleger ihr Engagement im Bereich Private Equity weiter aus?
Zwar erklären die bisherigen Wertentwicklungen zum Teil das Interesse an Private Equity, doch reichen sie nicht aus, um zu verstehen, warum diese Anlageklasse heute einen so wichtigen Platz in den Portfolios institutioneller Anleger einnimmt.
Professionelle Anleger stellen selten eine Anlageklasse einer anderen gegenüber.
Ihr Ziel ist es in erster Linie, Portfolios aufzubauen, die unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen standhalten können.
Eine Diversifizierungsstrategie
Private Equity bietet Zugang zu Unternehmen, Branchen und Geschäftsmodellen, die an den börsennotierten Märkten nicht immer vertreten sind.
Für einen institutionellen Anleger kann diese Diversifizierung dazu beitragen, die Abhängigkeit von einer einzigen Renditequelle zu verringern.
Dieser Ansatz erklärt, warum Private Equity in der Regel als Ergänzung zu börsennotierten Aktien und nicht als Ersatz dafür eingesetzt wird.
Eine Vision, die mit sehr langfristigen Verpflichtungen vereinbar ist
Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften oder Staatsfonds verwalten häufig Verbindlichkeiten, die sich über mehrere Jahrzehnte erstrecken.
Vor diesem Hintergrund stellt die mehrjährige Bindung eines Teils des Portfolios nicht unbedingt eine Einschränkung dar.
Im Gegenteil, dieses Merkmal kann mit ihren Anlagezielen im Einklang stehen.
Dies erklärt insbesondere, warum Institutionen wie CPP Investments in Kanada, GIC in Singapur oder auch die großen amerikanischen Universitätsstiftungen einen erheblichen Teil ihres Vermögens in private Märkte investieren.


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