Schienenverkehr: Eurostar geht eine Partnerschaft mit Plusgrade ein, um ein Auktionssystem für Upgrades einzuführen
Das Eisenbahnunternehmen Eurostar, das zahlreiche europäische Länder miteinander verbindet (insbesondere Frankreich und England), ist eine Partnerschaft mit dem Experten Plusgrade eingegangen, der vom Private-Equity-Fonds General Atlanticverwaltet wird. Die Ziele sind vielfältig: Das Upgrade-Verfahren soll für die Fahrgäste flexibler und zugänglicher gestaltet werden, während Plusgrade gleichzeitig seine Position auf dem Markt für den Personenverkehr im Schienenverkehr stärken kann.
Plusgrade möchte die Möglichkeit einführen, ein Gebot für ein Upgrade abzugeben, anstatt direkt die Eurostar-Plus-Klasse zu buchen. Das kanadische Unternehmen ist kein Neuling, wenn es um Zusatzumsätze und Dienstleistungen für Reisende geht. So ist das Unternehmen beispielsweise für die Innovation „Meilen abonnieren“ verantwortlich.
„Diese Partnerschaft spiegelt unser gemeinsames Engagement wider, den Aufenthalt der Reisenden zu verbessern und gleichzeitig erhebliche Zusatzumsätze für unsere Partner zu generieren. Gemeinsam bieten wir den Fahrgästen mehr Möglichkeiten, unter optimalen Bedingungen zu reisen, und helfen Eurostar gleichzeitig dabei, seinen Betrieb und seine Ressourcen zu optimieren“, erklärte Ken Harris, CEO und Gründer von Plusgrade.
Wie läuft die Auktion ab?
Berechtigte Fahrgäste erhalten vor ihrer Abreise eine Einladung per E-Mail und können bis zu 24 Stunden vor ihrer Reise ein Angebot abgeben. Sie erfahren mindestens einen Tag im Voraus, ob ihr Antrag angenommen wurde. Dieses innovative System ermöglicht es Eurostar, die Auslastung seiner Premium-Sitzplätze zu maximieren und den Reisenden gleichzeitig einen flexibleren Zugang zu erstklassigen Dienstleistungen zu bieten.
Dieser Service wird schrittweise auf den Strecken zwischen London, Paris, Amsterdam und Brüssel eingeführt, doch die Bahngesellschaft plant, ihn im Laufe dieses Jahres auf weitere Ziele auszuweiten.
Das Eurostar-Plus-Erlebnis: Komfort und exklusive Serviceleistungen
Das Upgrade in die Eurostar Plus-Klasse (ehemals Standard Premier) verändert das Reiseerlebnis grundlegend und bietet ein Maß an Komfort, das insbesondere von Geschäftsreisenden und anspruchsvollen Urlaubsreisenden geschätzt wird.
Zu den Vorteilen gehören:
- Höchster Sitzkomfort: Speziell ausgestattete Wagen mit breiteren, verstellbaren Velours-Sitzen, großzügiger Beinfreiheit und individuellen Strom- und USB-Anschlüssen.
- Stattdessen ein Verpflegungsangebot: Eine leichte Mahlzeit (je nach Uhrzeit Frühstück, Mittag- oder Abendessen) zusammen mit einer Auswahl an heißen und kalten Getränken, die direkt am Arbeitsplatz serviert wird.
- Optimierte Ruhe: Ruhigere Reisebereiche, die sich ideal zum Arbeiten oder Entspannen während der Überfahrt über den Ärmelkanal oder auf dem Festland eignen.
Auktionsmechanismus vs. Standardtarife: Die finanzielle Gleichung
Die Einführung der Plusgrade-Technologie sorgt für eine bisher unerreichte Preisflexibilität. Bislang lag der feste Preisunterschied zwischen einem Standard-Ticket und einem Eurostar-Plus-Ticket je nach Saison zwischen 60 € und 120 € pro Strecke. Mit dem Auktionssystem können Fahrgäste versuchen, dieses Upgrade zu einem Bruchteil des regulären Preises zu erhalten.
Vor Ort unterstreichen erste Erfahrungsberichte von Passagieren den unterhaltsamen und kostengünstigen Charakter des Angebots. Mehrere Reisende berichten, dass sie für einen Einsatz von nur 30 € ein Upgrade für einen einfachen Flug von Paris nach London gewonnen haben und so von der Bordverpflegung und optimalem Komfort profitierten – und das zu Gesamtkosten, die deutlich unter dem ursprünglichen Kaufpreis der höheren Klasse lagen.
Zeitplan für die Einführung und den Ausbau des Netzes
Die Partnerschaft, die auf den historischen Verkehrsachsen zwischen London und den großen europäischen Hauptstädten (Paris, Brüssel, Amsterdam) ins Leben gerufen wurde, folgt einem strengen Zeitplan für die Umsetzung im Jahr 2026:
- 1. Halbjahr 2026: Abschluss der Software-Integration und Beginn der Ausschreibungen für die wichtigsten Verbindungen über den Ärmelkanal.
- 3. Quartal 2026: Geplante Ausweitung des Auktionssystems auf die ehemaligen Thalys-Verbindungen auf dem Festland, insbesondere nach Deutschland (Lüttich, Aachen, Köln, Düsseldorf, Dortmund).
- Ende 2026: Vollständige Einbindung der saisonalen Reiseziele (Eurostar Snow in die Alpen und Eurostar Sun nach Südfrankreich).
Finanzstrategie: Optimierung der Rentabilität angesichts der Herausforderungen der Luftfahrtbranche
Für Eurostar entspricht dieses von Plusgrade geleitete Projekt einer Anforderung des Ertragsmanagements (Yield Management). Im Personenverkehr bedeutet ein zum Zeitpunkt der Abfahrt leerer Sitzplatz einen endgültigen Gewinnverlust. Die prädiktiven Algorithmen von Plusgrade analysieren in Echtzeit die historischen Auslastungsraten, um das Auktionssystem nur für Züge zu öffnen, deren Premium-Klasse nicht ausgebucht ist, und so den Kannibalisierungseffekt bei den Volltarifen zu vermeiden.
Diese Optimierung bringt der Fluggesellschaft zusätzliche Einnahmen mit nahezu voller Marge ein, da die Grenzkosten für eine zusätzliche Mahlzeit an Bord im Vergleich zum Gewinn aus der Auktion verschwindend gering sind.
Zudem stärkt diese Tarifflexibilität die Wettbewerbsposition von Eurostar gegenüber Fluggesellschaften (wie British Airways oder Air France). Indem Eurostar den Zugang zu seiner Premiumklasse erleichtert, spricht das Unternehmen eine „Premium-Freizeit“- oder „Bleisure“-Kundschaft (Geschäftsreise kombiniert mit Freizeit) an, die sonst möglicherweise von den Upgrade-Angeboten von Kurzstreckenfluggesellschaften in Versuchung geführt worden wäre, und hebt gleichzeitig das Argument hervor, dass der CO₂-Fußabdruck um bis zu 90 % geringer ist als der des Flugzeugs.

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